Die Essensretter*innen

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Mehr als die Hälfte aller Lebensmittel landet im Müll. Mit diesem Ergebnis schockierte die Dokumentation “Taste the Waste” (2011) und löste eine heftige, öffentliche Debatte aus. Große Pläne werden seither geschmiedet. Bis 2020 will Bundesernährungsministerin Ilse Aigner erreichen, dass in Deutschland nur noch halb so viele Lebensmittel weggeworfen werden wie heute. Konkrete politische Schritte gibt es aber bisher kaum. Warum tritt der Gesetzgeber in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Regierungen nur mit unverbindlichen Appellen an die Öffentlichkeit?
“Das Wegwerfen lohnt sich für die Unternehmen leider allzu oft, weil die Nahrungsmittel so billig sind und die Arbeitskraft so teuer ist.”, sagt Ernährungsexperte Prof. Guido Ritter von der Fachhochschule Münster. Warum ist das so? Valentin Thurn hakt nach und sucht in ganz Europa nach Lösungen. Dabei trifft er auf viele Menschen, die bei dieser wichtigen Zukunftsfrage nicht mehr auf die Politik warten wollen. Zum Beispiel Familie Kotzur aus Ludwigsburg, die mit einem Abfalltagebuch herausfinden will, wie sie ihren Essensmüll verringern kann. “Das hat uns erst so richtig bewusst gemacht, was wir täglich in den Mülleimer schmeißen.”
Auch Unternehmen in Holland, England, Dänemark, Deutschland und der Ukraine suchen nach Lösungen. Eine Karottensaft-Fabrik nutzt auch die kleinen Karotten, die bislang aussortiert wurden, pfiffige Designerinnen verwerten unter dem Label “Culinary Misfits” originell gewachsenes Gemüse, das der Handel so nicht akzeptiert, einzelne Supermärkte machen keine Ramsch-Angebote mehr, die die Kunden dazu verführen, mehr zu kaufen, als sie brauchen. Landwirte und Köche produzieren und fertigen nach der Maxime: “Feed the clients, not the bins!” – “Füttert die Kunden, nicht die Mülltonnen!” Aber reicht der gute Wille Einzelner?

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