Wo Frauen nichts Wert sind! Dokumentation

Am 28. Juli 2015 war Maria von Welser in Augsburg und berichtete von Ihren Reisen in den Kongo, nach Indien und nach Afghanistan. Gesprächspartnerinnen waren Soni Unterreithmeier von Solwodi (Solidarity with women in distress/Solidarität mit Frauen in Not) und Barbara Emrich von der Gleichstellungsstelle der Stadt Augsburg. Bürgermeisterin Eva Weber begrüßte die Gäste zu Beginn. Moderiert wurde die Veranstaltung von Susanne Thoma.

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Augsburger Allgemeine, 04. August 2015
Von Stefanie Schoene

Frau sein ist gefährlich

Bei den Vereinten Nationen gibt es eine Negativrangliste über die Länder, in denen es am gefährlichsten ist, als Frau geboren zu werden. Ganz oben steht Indien, gefolgt von Afghanistan und Kongo. Maria von Welser, TV-Journalistin und Erfinderin des Formats Mona Lisa, ging den Zahlen nach, reiste in die Regionen, sprach mit Frauen, Selbsthilfeorganisationen, Politikerinnen, Journalistinnen vor Ort und gab dem Grauen Namen und Gesichter. Im Rahmen des Programms zum Friedensfest stellte sie auf Einladung mehrer Vereine ihr Buch „Wo Frauen nichts wert sind“ vor.

Sie schildert das Leben zweier 14-Jähriger, die in Kabul ihren Traum vom Schulbesuch träumen, aber vermutlich – so von Welser – in Kürze von ihren Vätern gegen eine Kuh oder für 6000 Dollar an einen Mann verkauft werden. Sie besucht ein Frauenzentrum in Parwan, deren Mitarbeiterinnen ihre meiste Arbeitszeit dafür verwenden, die werdenden Väter zu überreden, dass die Frauen ihre mangelernährten Kinder ins Zentrum bringen und pflegen dürfen. Sie ging in ein Projekt, in dem Kinder aus den 35 Flüchtlingslagern rund um Kabul Lesen und Schreiben lernen – Mädchen dürfen hier nur teilnehmen bis sie zwölf Jahre alt sind. Von Welsers Hoffnungen liegen auf einzelnen Frauen wie dem Boxerinnenverein, der Radiojournalistin und vor allem auf den 30 Beraterinnen, die die Ehefrau des afghanischen Ministerpräsidenten Ashraf Ghani ihrem Mann zur Seite gestellt hat.

Die weltweite Gewalt gegen Frauen gleiche einem systematischen Vernichtungsfeldzug, so von Welsers Fazit. Auch Augsburg sei hier nicht ausgenommen, wie Soni Unterreithmeier von der Frauenhilfsorganisation Solwodi berichtet. Derzeit betreut der Verein ein junges Mädchen, das hier aufwuchs, aber im Sommer von ihren Eltern in der Türkei verheiratet werden soll. Solwodi betreibt bundesweit sieben Frauenhäuser und ist in Augsburg besonders im Rotlichtmilieu aktiv. „Hier gibt es Zwangsprostitution, weil es die Nachfrage gibt. Wieso ist unsere Gesellschaft immer noch der Meinung, dass Männer Frauen zur Verfügung haben müssen? Es ist dasselbe Denken, das den Gewaltexzessen in anderen Ländern zugrunde liegt“, kritisiert Unterreithmeier. Im Flüchtlingsbereich zeige sich inzwischen auch Handlungsbedarf: „Viele Frauen, die es hierher schaffen, haben unterwegs und zu Hause Gewalt von Männern erlebt. Sie müssen in eigenen Schutzräumen wohnen können. Da sind wir zusammen mit der Stadt dran.“

„Wo Frauen nichts wert sind – vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen“, Ludwig Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro.

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